Ausbildung
Ausbildung im Klinikum

Den Kinderschutz im Fokus

13.11.2019

Ärzte in den Thüringer Notaufnahmen sehen es häufiger als man glauben möchte: Kinder, die misshandelt oder missbraucht wurden. Von Vernachlässigungen, etwa beim Essen und Trinken, bis zu körperlichen oder sexuellen Übergriffen – Kinder sind besonders gefährdet. Dem stellen sich die Kinderschutzgruppen der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin entgegen.


Leid zu erleben, ist für Ärzte an der Tagesordnung. „Meistens können wir es direkt lindern – gerade in meiner Disziplin, der Kinderchirurgie“, ist Oberarzt Dr. Heiko Belger überzeugt. „Bei Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung von Kindern ist aber ein ganz anderer, weit über das Medizinische hinausgehende Ansatz gefragt. Daran arbeiten wir in unserem Netzwerk.“

Besonders schlimm seien etwa sogenannte „Schütteltraumata“: Verletzungen die auftreten, wenn Säuglinge von Erwachsenen heftig geschüttelt werden. „Schon wenige Sekunden reichen aus, um Säuglingen lebensbedrohliche innere Verletzungen zuzufügen. Wir Experten erkennen diese Verletzungen sofort.“

Mit dem Erkennen der Misshandlung oder der Vernachlässigung geht für die Kinderschutzgruppe die Arbeit aber erst richtig los. Jetzt beginnt das Netzwerk rasch zu arbeiten, um Jugendamt und Polizei mit ins Boot zu holen. „Damit wollen wir wirksam weiteren Schaden vom betroffenen Kind oder vielleicht vorhandenen Geschwistern abwenden“, so Belger. Mit dem Jugendamt gemeinsam sei es etwa möglich, den betroffenen Familien ganz engmaschige Hilfe zukommen zu lassen. „Oftmals ist nach einem solchen Fall mehr als ein Duzend Fachleute eingebunden, um weitere Gefahr von Kindern, Geschwistern oder Elternteilen abzuwenden und der betroffenen Familie in der emotional schwierigen Situation zu helfen. Der Informationsfluss kann nicht eng genug sein.“

Zum zweiten Netzwerktreffen der Kinderschutzgruppen und -ambulanzen in Thüringen hat Dr. Belger seine Kolleginnen und Kollegen nach Suhl eingeladen. Bei dem Treffen ging es natürlich um das Lernen aus dem gegenseitigen Austausch, die bessere Abstimmung „und darum, das Netzwerk zum Schutz noch fester zu knüpfen“, so Belger. Den fachlichen Input stellten die LPI Suhl und klärte darüber auf, wie gerichtsverwertbare Beweise vom Beginn der Behandlung an erhoben werden können.

„Unser Netzwerk kommt leider erst dann zum Tragen, wenn Kindern bereits Leid widerfahren ist. Gerade deshalb möchten wir neben der medizinischen Behandlung so professionell und rasch wie möglich die richtige Hilfe an die richtige Stelle bringen. Wir werben aktiv für die Prävention, die in Suhl in erster Linie das ‚Netzwerk frühe Hilfen’ sowie das ‚Netzwerk gegen Gewalt in der Familie‘ anbieten. Und wir reden miteinander um gemeinsam stark zu sein zum Schutz der Kinder.“