
Trotz aller medizintechnischen Innovationen sind die wichtigsten Instrumente des Urologen immer noch das ausführliche Gespräch mit seinem Patienten und die gründliche körperliche Untersuchung. Beides sind die Grundlagen für die weitere Diagnostik und Therapie. Erst danach kommt die moderne Medizintechnik zum Einsatz. Die fachübergreifende Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen des Hauses gewährleistet eine optimale Versorgung unserer Patienten.
Hierfür steht der Klinik für Urologie ein modern ausgestatteter Funktionstrakt zur Verfügung. Hier können wir Endoskopien und alle relevanten urologischen Röntgenuntersuchungen durchführen. Wir verfügen über zwei digitale Röntgenarbeitsplätze, davon einer mit integrierter extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie (ESWL) für die Zertrümmerung von Nierensteinen.
Laparoskopie bei urologischen Erkrankungen
Was passiert bei einer Laparoskopie?
Überblick über die Laparoskopischen Operationen in der Klinik für Urologie
An der Niere:
An der Nebenniere:
Bei Prostatakrebs:
An den Hoden:
Medikamente helfen auf lange Sicht nicht
Für die Behandlung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hauptziel ist die Wiederherstellung des Harnflusses, so dass sich die Blase wieder vollständig entleeren kann. Ihr niedergelassener Urologe wird Ihnen unter Umständen vorschlagen, dass Sie für einige Monate zur Reduzierung der Symptome Medikamente einnehmen. Doch mit Medikamenten ist eine Heilung von der gutartigen Prostatavergrößerung auf lange Sicht nicht möglich.
Ältere Operationsverfahren haben viele Nebenwirkungen
In Deutschland unterziehen sich jährlich daher etwa 61.000 Männer einer Prostataoperation. Bisher ist als Operationsmethode die Entfernung der Prostata über die Harnwege (transurethrale Resektion, TUR-P) etabliert. Alle urologischen Kliniken wenden diese Methode an, denn sie ist sehr wirksam. Allerdings ist sie auch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Durch das „Abhobeln“ der Prostatavergrößerung können Blutungen und Störungen des Salzhaushaltes durch das Einschwemmen von Spülflüssigkeit in den Kreislauf auftreten.
Laser verdampft das Gewebe ohne Blutvergießen
Mit alternativen Verfahren versucht man diese Nebenwirkungen zu reduzieren. Bereits seit 1990 setzt man Laser bei der Behandlung der BPH ein, allerdings nicht mit zufrieden stellendem Erfolg. Seit 2002 existiert das KTP-Laserverfahren (Green-Light-Laser). Dieser Laser arbeitet mit Licht einer Wellenlänge von 532 Nanometer (grünes Licht). Das grüne Licht wird optimal von den roten Blutgefäßen und blutreichem Gewebe als komplementärfarbene Strukturen absorbiert. Die Licht-Absorption führt zu einer plötzlichen, explosionsartigen Aufnahme von Energie: Das bestrahlte Gewebe verdampft, ohne dass Blut austritt. Das Verfahren stammt aus den USA und wird seitdem in der routinemäßigen Behandlung der BPH erfolgreich eingesetzt. In der Klinik für Urologie am SRH Zentralklinikum Suhl wenden wir das optimierte HPS - Lasersystem (High Performance System) mit einer Energieleistung bis 120 Watt an.
Patient kann rasch wieder Wasser lassen
Beim GreenLight - Laserverfahren wird das Prostatagewebe effektiv und schonend entfernt. Da der Laser das Gewebe stark erhitzt, ist die Anwendung nahezu blutungsfrei. Das OP-Team muss in der Regel keine Blutkonserven einsetzen. Auch Herz und Kreislauf werden deutlich geringer belastet. Schon kurz nach dem Eingriff können wir den Katheter wieder entfernen und der Patient kann wieder Wasser lassen. Er spürt den positiven Behandlungseffekt oft unmittelbar nach dem Eingriff. Durch die geringe Eindringtiefe des Lasers schont das Verfahren auch das umliegende Gewebe. Auf die Kontinenz und Potenz hat es daher keine negativen Auswirkungen.
Die Ergebnisse sind in ihrer Erfolgsrate mit dem bisherigen Goldstandard, der TUR-P, vergleichbar. Ihr Urologe wird die für Sie besten Behandlungsoptionen mit Ihnen in Abhängigkeit zu den Untersuchungsergebnissen erörtern.
Vorkommen
Im Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen ist der Hodentumor eher selten (ca. 1% aller bösartigen Geschwülste). In Deutschland beträgt die Neuerkrankungsrate zurzeit etwa 8 Neuerkrankungen pro 100.000 männliche Einwohner und Jahr. Die besondere klinische Bedeutung wird jedoch daraus ersichtlich, dass in der Altersgruppe der 20- bis 40jährigen Männer die Hodentumore die häufigste Krebserkrankung darstellen!
Ursachen
Es gibt bisher keine gesicherte Ursache der Hodentumoren. Man konnte jedoch Risikofaktoren zusammenstellen, die als Marker eines erhöhten Erkrankungsrisikos gelten. Der wichtigste Risikofaktor ist der vorangegangene Hodentumor. Diese Patienten besitzen ein ca. 30fach gegenüber der Normalbevölkerung erhöhtes Risiko, an einem Hodentumor der gegenüberliegenden Seite zu erkranken.
Der so genannte Maldescensus testis (Hodenhochstand, d.h. verzögerter bzw. ausgebliebener Abstieg eines oder beider Hoden aus der Bauchhöhle in den Hodensack während der Embryonalzeit) in Form von Bauchhoden, Leisten-, Pendel- oder Gleithoden ist mit einem etwa 4- bis 8fach erhöhten Risiko verbunden, wobei auch für den anderen, normal im Hodensack liegenden Hoden ein erhöhtes Tumorrisiko besteht. Wichtig hierbei zu wissen ist, dass die medikamentöse Behandlung oder operative Korrektur eines nicht abgestiegenen Hodens das Entartungsrisiko nicht reduziert! Weiterhin gelten Hodenschrumpfung und Unfruchtbarkeit auch als Risikomerkmale.
Eine gesicherte Rolle in der Entstehungsgeschichte von Hodentumoren spielen erbliche Faktoren. Für Brüder eines Hodentumorpatienten besteht ein 4- bis 8fach erhöhtes Erkrankungsrisiko.
Anzumerken ist diesbezüglich, dass die Keimzellen im Hodengewebe das sensibelste Gewebe des Körpers darstellen, was schädigende Einflüsse aller Art wie z.B. Wärme, Strahlung, Gifte, Chemikalien und Infektionen angeht.
Symptome
Das klassische Leitsymptom des Hodentumors ist die schmerzlose Größenzunahme des Hodens mit einer tastbaren Knotenbildung innerhalb des Hodens oder an seiner Oberfläche. In einem Drittel aller Fälle ist jedoch eine uncharakteristische Schmerzsymptomatik (“Schweregefühl” oder “Ziehen” im Hoden oder Leiste) vorhanden. Knapp 10% aller Patienten suchen den Arzt erst mit Symptomen auf, die durch Fernmetastasen hervorgerufen werden wie Luftnot durch Lungenabsiedlungen oder Rückenschmerzen durch eine ausgedehnte Lymphknotenvergrößerung im hinteren Bauchraum. In 2 bis 5% aller Patienten kann man eine Vergrößerung oder Schmerzhaftigkeit der Brustdrüsen beobachten.
Früherkennung verbessert die Heilungschance! Eine sinnvolle Form der Früherkennung ist die in regelmäßigen Abständen durchgeführte Selbstuntersuchung beider Hoden. Je früher Hodenkrebs erkannt wird, desto einfacher ist dessen Behandlung, und desto besser sind die Heilungsaussichten. Werden Auffälligkeiten am Hoden bemerkt oder treten andere der oben genannten Symptome auf, sollte deshalb unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, welcher in der Diagnose und Behandlung von Hodenkrebs erfahren ist. In der Regel ist dies ein Facharzt für Urologie.
Einteilung
Bei den Hodentumoren handelt es sich in der Mehrheit (über 90%) um so genannte Keimzelltumore. Bei der Vielzahl an feingeweblichen Untertypen wird unter klinisch-therapeutischen Gesichtspunkten nur zwischen reinen Seminomen und Nichtseminomen (Teratokarzinom, embryonale Karzinome, Chorionkarzinom, alle Mischtumore) unterschieden. Beide Tumorgruppen sind anteilsmäßig etwa gleich groß. Zu der Gruppe der Nicht-Keimzelltumore (<10%) gehören die Leydig-, Sertoli und Granulosazelltumore sowie maligne Lymphome.
Diagnostik
Die Maßnahmen zur Diagnostik umfassen die ausführliche Befragung zu Ihren Beschwerden sowie eine gründliche körperliche Untersuchung. Insbesondere ist ein genaues Abtasten beider Hoden notwendig. Danach schließt sich meist eine ergänzende Ultraschalluntersuchung an, die auch nicht tastbare Hodentumore entdecken kann.
Eine wichtige Rolle bei Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Hodentumoren spielen die sogenannten „Tumormarker“ Alpha-Fetoprotein (AFP), humanes Choriongonadotropin (beta-HCG), Laktatdehydrogenase (LDH) sowie die plazentare alkalische Phosphatase (PLAP), die durch eine einfache Blutuntersuchungen bestimmt werden. Diese Eiweißstoffe und Enzyme können im Blut von Patienten mit Hodenkrebs deutlich erhöht sein.
Bei den meisten Männern ist es bereits durch diese wenigen Untersuchungsschritte möglich, den Verdacht auf Hodenkrebs zu entkräften oder zu bestätigen.
Stadieneinteilung
Die Einteilung der Hodentumore erfolgt vorwiegend nach klinischen Stadien („3-Etagen-Einteilung“ nach Lugano-Klassifikation) entsprechend der Metastasenverteilung und Tumormarkerhöhe. Stadium I bezeichnet dabei den ausschließlichen Befall des Hodens, Stadium II einen Befall der Lymphknoten entlang der großen Gefäße im Bauchraum, Stadium III den Befall von Lymphknoten oberhalb des Zwerchfells und/oder Fernmetastasen.
Das Stadium III wird nach der so genannten IGCCCG-Klassifikation (IGCCCG: International Germ Cell Cancer Collaborative Group) noch einmal unterteilt in 3 prognostisch unterschiedliche Gruppen (gute, mittlere und schlechte Prognose).
Therapie
Sofern sich der Verdacht auf Hodenkrebs bestätigt, muss eine operative Freilegung des verdächtigen Hodens mittels Leistenschnitt erfolgen. Bei Bestätigung eines Tumors wird sich die komplette Entfernung des betroffenen Hodens mit Samenstrang (Orchiektomie) sowie eine zweifache Probenentnahme aus dem Hoden der Gegenseite anschließen. Das entnommene Gewebe wird zur weiteren Therapieplanung feingeweblich untersucht. Man erhält Informationen über die Art des Tumorgewebes und die Ausbreitung des Tumors im Hoden selbst.
Außerdem sind Informationen über eine evtl. Streuung des Tumors im Körper notwendig. Hierzu erfolgen nach Entfernung des Hodens computertomografische Untersuchungen des Bauch- und Brustraums.
Erst mit den Ergebnissen aller dieser Untersuchungen (Feingewebsstruktur, Computertomographie, Tumormarker) kann die Zuordnung zu einem Tumorstadium erfolgen, welches die Art, das Ausmaß und die Dauer der Behandlung bestimmt.
Beim Nichtseminom erfolgt nach Orchiektomie meist eine Chemotherapie entsprechend dem jeweiligen Tumorstadium. Nur bei sehr frühen Tumorstadien kann in Ausnahmefällen die Orchiektomie als alleinige Behandlung mit anschließender engmaschiger Tumornachsorge ausreichen. Sind größere Lymphknotenmetastasen vorhanden oder ist die Erkrankung in Körperorgane wie Lunge, Leber oder knöchernes Skelett vorgedrungen, muss in jedem Fall und möglichst rasch eine Chemotherapie durchgeführt werden. Diese Chemotherapie ist dann intensiver und wird über eine längere Zeit durchgeführt, als dies bei den früheren Tumorstadien der Fall ist.
Sollte die Chemotherapie bei Nichtseminomen im fortgeschrittenen Stadium nicht zu einem kompletten Verschwinden der Metastasen führen, ist eine operative Entfernung der Resttumoren erforderlich. Die meisten dieser Resttumoren befinden sich im hinteren Bauchraum, so dass eine so genannte Residualtumorresektion durchgeführt werden muss.
Lassen sich beim Seminom nach Orchiektomie keine Metastasen nachweisen, kann zunächst eine abwartende Haltung eingenommen werden (“wait and see”) mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen oder eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Liegen nur kleine Metastasen in den Lymphknoten des Bauchraumes vor, schließt sich eine Bestrahlung der Lymphknoten des Bauchraumes an. Bei größeren Lymphknotenmetastasen oder Fernmetastasen muss eine Chemotherapie erfolgen. In der Regel werden bei Seminomen noch vorhandene Resttumore nach Chemotherapie nicht entfernt.
Zeigen beide Tumortypen auf die erste Chemotherapie kein Ansprechen (refraktär), oder kommt es nach kurzer Zeit zu einem Wiederauftreten (Rezidiv), so muss mit einer höher dosierten Chemotherapie behandelt werden.
Bei 5% der Hodentumor-Patienten findet man in der Probenentnahme auf der Gegenseite eine Vorstufe zum Hodenkrebs (sog. TIN [testikuläre intraepitheliale Neoplasie]), die zunächst in regelmäßigen Kontrollen beobachtet (70% Entartungsrisiko nach 7 Jahren) oder mit einer Strahlentherapie behandelt werden kann.
Prognose
Die Prognose ist abhängig vom klinischen Stadium, d.h. dem Metastasen-Verteilungsmuster und der bei Diagnosestellung vorliegenden Tumormarkerhöhe.
Die meisten Patienten mit Hodenkrebs können dauerhaft von ihrer Erkrankung geheilt werden. Insgesamt ist die 5-Jahresüberlebensrate (5-JÜR) aller Hodentumore heute mit über 95% sehr gut.
Nachsorge
In Abhängigkeit vom Stadium des Tumors und der erfolgten Therapie muss die Nachsorge geplant werden. Dies übernimmt der niedergelassene Urologe, der entsprechend der Leitlinien in Abhängigkeit vom jeweiligen Stadium die notwendigen Untersuchungen durchführt (klinische Untersuchung, Tumormarkerbestimmung, computertomografische Untersuchungen etc.). Je früher ein Rückfall, eine bösartige Zweiterkrankung oder Spätfolge der Chemotherapie erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten!
Die meisten Männer mit Hodenkrebs führen nach Beendigung der Behandlung ein ganz “normales” Leben wie zuvor auch. Die Zeugungsfähigkeit ist durch die Behandlung bei den meisten Patienten nur vorübergehend eingeschränkt. Um jedoch Missbildungen bei der Zeugung von Kindern möglichst sicher auszuschließen, ist während und auch 1 Jahr nach der chemotherapeutischen Behandlung eine konsequente Schwangerschaftsverhütung erforderlich!
Internetadressen
Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an den Urologen Ihres Vertrauens, oder suchen Sie sich einen Urologen in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft über:
Weitere Adressen:
http://www.hodenkrebs.de/
http://www.deutsche.krebsgesellschaft.de/
http://www.krebshilfe.de/ (Deutsche Krebshilfe e.V.)
In Kürze: Was wird gemacht?
Dieses moderne Verfahren eignet sich für Männer, bei denen wiederholte oder langstreckige Verengungen der Harnröhre auftreten. Es handelt sich um eine komplexe offene Rekonstruktion der Harnröhre mit Übertragung (Transplantation) von körpereigener Mundschleimhaut.
Hintergrundinformationen
Bei manchen Männern, sehr selten auch bei Frauen, entstehen Engstellen in der Harnröhre, die der Urologe als Harnröhrenstriktur bezeichnet. Strikturen treten häufig nach Operationen durch die Harnröhre oder nach Kathetereinlagen auf. Auch bakterielle Infektionen der unteren Harnwege oder Unfallfolgen kommen als Ursache in Betracht.
Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel zeigt die Engstelle
Der Urologe kann die Engstelle in der Regel mit einer speziellen Röntgenuntersuchung (retrograde Urethrographie) darstellen. Bei dieser Untersuchung liegt der Patient in halber Seitenlage, während das Kontrastmittel über die Harnröhrenmündung eingegeben wird. Zeitgleich erfolgt eine Röntgendurchleuchtung. Der Arzt sieht jetzt die Länge und das Ausmaß der Harnröhrenenge und kann das geeignete Behandlungsverfahren auswählen. Heutzutage bevorzugt man eine Operation, während die früher bei manchen Patienten durchgeführte Aufdehnungsbehandlung (Bougierung) inzwischen nicht mehr üblich ist.
Es gibt zwei operative Wege, die Engstelle zu beseitigen
Die innere Harnröhrenschlitzung (Sichturethrotomie, Urethrotomia interna, Sachse-Urethrotomie)
Hier durchtrennt der Operateur über ein spezielles Instrument mit einem sehr feinen Keramikmesser die Engstelle auf den Millimeter genau. Er hat während des Eingriffs auf einem Video-Monitor ein um das Vielfache vergrößertes Bild und kann sich sehr genau orientieren. Ein Katheter schient die operierte Engstelle für einige Tage, nach der Katheterentfernung erfolgt die Kontrolle des Harnflusses ( Uroflow ) und die Ultraschalluntersuchung der Harnblase auf Restharn. Dieses Verfahren wenden wir in der Regel bei neu aufgetretenen Strikturen an.
Die offene Harnröhrenoperation (Harnröhrenplastik)
Hier gibt es sehr viele Verfahren, welche sich nach Ort und Art der Harnröhrenerkrankung richten. Früher wandte man häufig das zweizeitige Verfahren an. Dabei wurde in einer ersten Operation die Engstelle beseitigt und das „Bett“ für die neue Harnröhre vorbereitet. Nach drei bis sechs Monaten erfolgte dann die zweite Operation und die Harnröhre wurde wiederhergestellt. Dies war für den Patienten ein belastendes Vorgehen. Heute haben diese zweizeitigen Verfahren nur in wenigen Fällen ihre Berechtigung.
In der Klinik für Urologie der SRH Zentralklinikum Suhl wenden wir ein einzeitiges Verfahren an. Der Patient unterzieht sich nur einer Operation. Während dieser legt der Operateur die Harnröhre mit einer Schnittoperation an der Engstelle frei und entnimmt vom Patienten ein Transplantat aus der Mundhöhlenschleimhaut. Hierbei helfen uns die Kollegen der Klinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie. Durch das körpereigene Transplantat können wir das Risiko einer Übertragung von fremden infektiösen Erregern ausschließen. Anschließend nähen wir das Transplantat mit sehr feinem, sich auflösendem Nahtmaterial ein. Zur Schienung legen wir für zehn Tage einen Katheter oder ein spezielles Wunddrain. Die Harnableitung erfolgt vorübergehend über einen Bauchdeckenkatheter. Zehn Tage nach der Operation prüfen wir mittels Röntgenuntersuchung die Dichtigkeit der Naht, messen den Urinfluss und untersuchen die Harnblase per Ultraschall. Dieses moderne Verfahren entspricht dem aktuellen Stand der Wissenschaft und wird weltweit praktiziert.
Individuelle Einschätzung der Operationsmethode und des OP-Risikos
Eine Garantie auf Erfolg kann jedoch kein Arzt geben, die Komplexität des Vorgehens birgt ein Restrisiko. Welches der beschriebenen Verfahren für Sie am besten geeignet ist, wird der Arzt mit Ihnen besprechen. Er wird Sie ausführlich über Vor- und mögliche Nachteile der Behandlung informieren. Er wird Ihnen auch die hier kurz angerissenen Abläufe der Behandlung ausführlich erläutern. Sie haben jederzeit Gelegenheit, weitere Probleme und Unklarheiten mit ihm zu besprechen.
Nierensteine bestehen zu etwa 95 % aus kristallinen Substanzen. Die Übersättigung des Urins mit diesen Substanzen führt zur Steinbildung in den Nieren. Bei Verlagerung des Steins aus der Niere in den Harnleiter kommt es zu den typischen schmerzhaften Nierenkoliken.
Harnsteine können aus verschiedenen Substanzen bestehen. Am häufigsten treten die so genannten Kalziumoxalatsteine auf. Weitere Steinarten sind Harnsäuresteine, Infektsteine, Zystinsteine.
Harnsteine können zu unterschiedlichen Beschwerden führen. Nierensteine können asymptomatisch sein oder unspezifische Rückenbeschwerden hervorrufen. Bei Verlagerung des Steins in den Harnleiter treten sehr starke, wehenartige Schmerzen auf, die je nach Steinlage in die Flanke, den Bauchraum oder die Genitalregion ausstrahlen können. Die typische Nierenkolik.Bei zusätzlichen Infektionen kann es zu Fieber und zur Blutvergiftung kommen. Eine länger anhaltende Harnstauung kann zu Funktionseinschränkungen der Niere führen.
Die Behandlung des Harnsteinleidens besteht aus einer wirksamen Schmerztherapie im Rahmen einer Nierenkolik. Dieses wird in der Regel durch Schmerzmedikamente als Tabletten oder Infusionslösungen erreicht. Sollte die medikamentöse Behandlung nicht ausreichen, ist durch die Anlage einer kurzzeitigen Harnableitung (Doppel-J-Katheter, Nierenfistelkatheter) eine rasche Schmerzfreiheit zu erreichen. Der Doppel-J-Katheter ist ein sehr dünner „Schlauch“ , der endoskopisch in den Harnleiter eingelegt wird und dabei den Harnleiterstein „überbrückt“. Dadurch ist ein regelrechter Abfluss des Urins aus der Niere in die Harnblase gewährleistet. Dieses Verfahren wird auch angewandt, bei Patienten mit septischen Harnstauungsnieren (Fieber und gestörter Harntransport).
Ein Großteil der Harnsteine geht von allein ab. Der spontane Steinabgang hängt von der Größe des Steines und der Lage in den harnableitenden Wegen ab. Sollte der Stein nicht spontan abgehen, streben wir eine Zerkleinerung des Harnsteines von außen an. Dazu nutzen wir die Stoßwelle, den extrakorporalen Stoßwellenlithotrypter (ESWL). Die ESWL – Behandlung von Nieren- und Harnleitersteine, führt zur Zertrümmerung des Steinmaterials in kleine, abgangsfähige Steine. Dabei werden von außen (extrakorporal) Stoßwellen auf den zu behandelnden Stein appliziert, der dadurch in kleine, spontan abgangsfähige Steinfragmente zerlegt wird. Dies erfolgt je nach Größe, Lage und Art des Harnsteins unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle.
Sehr große Nierensteine oder Ausguss-Steine des Nierenhohlraumsystems können mittels perkutaner Steinentfernung (PNL) entfernt werden. Bei der perkutanen Steinentfernung wird in Narkose unter Röntgen - und Ultraschallkontrolle das Hohlraumsystem der Niere anpunktiert und dort befindliche Steine entweder im Ganzen oder nach Zerkleinerung durch Ultraschall ¬oder Lasersonden mittels Zangen, Körbchen oder Absaugung entfernt.
Eine weitere Methode, hauptsächlich zur Entfernung von Harnleitersteinen, ist die Harnleiterspiegelung (URS), die ebenfalls in Narkose durchgeführt wird. Dabei können, wenn nötig, größere Steine mit Laser- oder Ultraschallsonde zerkleinert werden. Diese Steinfragmente können dann mit endoskopischen Fasszangen oder speziellen Fangkörbchen aus dem Harnleiter extrahiert werden.
Entscheidend in der Behandlung des Harnsteinleidens sind prophylaktische Maßnahmen zur Verhinderung eines Erkrankungsrezidivs. Dazu gehören allgemeine Verhaltensregeln wie Gewichtsreduktion, Bewegung, ausreichende Trinkmenge ( 2,5 - 3 I/Tag), fett- und fleischarme Ernährung sowie eingeschränkte Aufnahme von Kaffee, schwarzem Tee und Alkohol. Nach erfolgter Steinanalyse sollten je nach Steinart spezielle Maßnahmen erfolgen.